Review - femak 4. Beschaffungskongress der Krankenhäuser 2012 - Berlin

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4. Beschaffungskongress der Krankenhäuser - Hotel de Rome - Berlin

Am 2. Tag, zum Ende des 4. Beschaffungskongress der Krankenhäuser, war Dr. Klaus von Dohnanyi im kontroversen aber auch einvernehmlichen Gespräch mit Dr. Thilo Sarrazin. Durchaus der Höhepunkt des Kongresses. "Was wird aus unserem Geld?" - Die Finanzierung des Gesundheitswesens im Kontext der Staatsschulden- und Finanzmarktkrise. Sehr in den Mittelpunkt ist Sarrazin durch seine provokanten Äußerungen gerückt: Gegen Europa, gegen den Euro. Wir kennen Sarrazin aber auch als Finanzsenator im Berliner Senat, wo er 7 Jahre tätig war. Also erwartete der Zuhörer aufgrund seiner Erfahrungen im Finanzsektor eine doch recht anspruchsvolle Diskussion. Historisch politische Ereignisse, die Währungsunion nach der Wende aber auch Griechenland, Portugal, Italien, Spanien und man höre, auch Frankreich mit seiner Finanzpolitik wurden von beiden Experten mehr als kritisch betrachtet. So ausführlich wie die Fragen, so ausführlich fielen auch die  Antworten aus. Ob sich jeder auch mit der Beantwortung der Fragen zufrieden gab, sei dahingestellt. Es blieb genug Freirum, sich seine eigene Meinung zu bilden, sofern sich der Kongressteilnehmer mit den Antworten nicht identifizierte.

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Vielversprechende und auch anspruchsvolle Themen erwarteten uns dann am 08.12.2012 beim 4. Beschaffungskongress der Krankenhäuser im Hotel de Rome in Berlin. In Zusammenarbeit von „wegweiser“ und der „femak“ kann auf eine gelungene Veranstaltung zurück geblickt werden. Im Beschaffungskongress ging es einerseits um die Anbieterseite aus der Industrie und Wirtschaft, zum anderen um den Einkäufern in den Universitätskliniken, Krankenhäuser und anderen Einrichtungen der Gesundheit und nicht zu vergessen, den vielen sich daraus ergebenden Rechtsfragen. Themen also, mit denen man sich bereits in jetzt 4 Kongressen befasste. Während die Industrie jedes Jahr mit immer neueren Methoden der Behandlung von Patienten im ambulanten und stationären Bereich auf dem Markt zu finden ist, kommt es darauf an, auch den Einkäufern dieses näher zu bringen. Mit 10 Fachforen und 14 Workshops bildete der 4. Beschaffungskongress eine solide Plattform, Neuigkeiten in Einrichtungen des Gesundheitswesens an den Einkäufer zu bringen.

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In den Fachforen und Workshops wurde deutlich angesprochen, dass durch den Einkäufer auch der Chefarzt, der Operateur oder Hygieniker, um nur einige zu nennen, viel mehr bei der Produktauswahl der Anbieter mit herangezogen werden muss. Es muss das einzukaufende Produkt durch einen kompetenten Mitarbeiter abgezeichnet werden. Also Produktinformationen auch der Geschäftsführung zur Entscheidungsfindung anbieten.

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In seinem Workshop verdeutlichte Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow anhand des Thema: Hygiene versus Wirtschaftlichkeit: "Hygiene ist teuer, keine Hygiene ist sehr teuer", wie ein Unternehmen wirtschaftlich arbeiten kann und das es angebracht ist, die richtige Produktauswahl zu treffen und dieses vor allem gegenüber der Geschäftsführung zu begründen. Es muss bei teurem Verbandsmaterial nicht die zweite Kommastelle berechnet werden, wenn bei einer einmaligen Anschaffung von wirksamen Hygieneartikeln durchaus eine hohe Anschaffungssumme zu veranschlagen ist.

Der Bereich IT ist schon über alle 4 Beschaffungskongresse ein wichtiger nicht zu vernachlässigender Bereich gewesen. Auskunftssysteme, Datenbanken mit einer anspruchsvollen Stammdatenpflege, iPhon oder iPad in den Händen des Einkäufers und dem Leitungsbereich sind bei der Produktauswahl eine wichtige Entscheidungshilfe. Die Software sollte bei Knopfdruck hergeben: Wo sind wir zu teuer? Tools sind da, um den strategischen Einkauf abzuwickeln und auch die meisten Einzelpositionen zu betrachten.

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Einkäufer, besonders in großen Einrichtungen mit einem breiten Angebot an medizinischer Grundversorgung im Klinikalltag, sollten wegen einer besseren Überschaubarkeit zur Abwicklung des strategischen Einkaufs einen Leitfaden haben. Dieser gibt alles das wieder, was der Einkäufer will. Im Leitfaden enthalten sein sollten Gedanken, Ideen und Ausschreibungsverfahren, die Prozessoptimierung, die passgenaue Versorgung der Krankenhäuser. Aber die  Berücksichtigung der Infrastruktur des eigenen Hauses darf nicht außer acht gelassen werden. Ein Leitfaden bietet den Beteiligten keine Musterausschreibung, er beschreibt einen möglichen Vergabeprozess von Anfang bis Ende und ist eine Orientierung für Einkäufer und Anbieter.

Keiner soll denken: Der Arzt braucht ein gutes Instrument, der Einkäufer ruft da mal schnell an und es wird geliefert. Bezahlung versteht sich. Im Gegenteil, der strategische Einkauf ist für den professionellen Einkäufer eine Herausforderung: Er hat eine komplexe Dienstleistung durchzuführen. Dazu gehört auch die Sicherstellung einer kontinuierlichen Versorgung. Logische Anforderungen an den Prozesses sind gefragt, dieses aber unter Berücksichtigung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit, um natürlich auch einen Nachfrageaufwand zu vermeiden. Das alles soll aber auch für die Gesundheitseinrichtung unter dem Aspekt der Rechtssicherheit betrachtet und durchgeführt werden.

Neues gibt es auch auf dem Gebiet der Vergabe. Es gibt zu viele unterschiedliche Plattformen, die untereinander nicht kommunizieren können. Hier wird das Ziel angestrebt, die Vereinheitlichung der Plattform zu schaffen: Damit wird erreicht, dass ein einheitlicher standardisierter Bieterzugang zu verschiedenen Vergabesystemen geschaffen wird. Die meisten namhaften eVergabe-Anbieter sind daran bereits beteiligt. Das Projekt der XVergabe wurde gegründet. Der Einkäufer erkennt hier sehr schnell den Nutzen. Voraussetzung hierfür ist, dass er, der Einkäufer, fit gemacht werden muss.

Im Abschlussplenum des 1. Tages wurden aktuelle politische Situationen des deutschen Gesundheitswesens sehr kritisch angesprochen. Also auch Themen, die derzeit durch die Medien gehen. Es ging hier um die Verschwendung öffentlicher Gelder, Beispiel Krankenhaussanierung ohne die entsprechende Auslastung hinterher. Deutsche Krankenhäuser operieren zu viel. DRG bringen Probleme ins Krankenhaus. Zu geringe Bezahlung der Leistungen. Hier macht es die Masse. Wo aber bleibt da die Qualität? Jetzt ist die Politik gefragt, hier zu handeln. Es müssen alle mit ins Boot genommen werden, um Missstände aufzudecken, zu beseitigen und um neue Wege gehen zu können. Wir müssen weg vom Gedanken: Das machen wir doch schon immer und jahrelang so.

Was wird uns der 5. Beschaffungskongress der Krankenhäuser 2013 bringen? Hoffentlich wieder viele interessante informative Themen und Neuerungen der Industrie in Bezug auf medizinische Produkte auf dem deutschen Markt.

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Die „femak“ bedankt sich bei „wegweiser“ für die gute Zusammenarbeit. Organisation, Catering und Programm ließ keine Wünsche offen.

Sollten wir Sie, lieber Leser, Einkäufer oder Geschäftsführer neugierig gemacht haben, dann ist das gewollt. Wie Sie gemerkt haben, war von den 10 Fachforen und 14 Workshops hier nur ein kleiner Auszug wiederzufinden. Auf Wiedersehen 2013.

Jürgen Geißler
femak Öffentlichkeitsarbeit