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Review - femak 32. Bundesfachtagung 2014

32. Bundesfachtagung in Rotenburg a. d. Fulda am 24. und 25. März 2014

Die 32. Bundesfachtagung der femak "Fachverband für Einkäufer, Materialwirtschaftler und Logistiker im Krankenhaus e. V." in Rotenburg a. d. Fulda stand unter der Überschrift: "Neue Herausforderungen für Einkauf und Logistik – Professionell und lösungsorientiert im Berufsverband femak e.V."

Die Räumlichkeiten der Göbel Hotels Arena mit der großzügigen Ausstellungsfläche, dem darin eingebundenen Catering und dem Bereich in dem die Vorträge stattfanden, boten optimale Bedingungen.

Rolf Schmid, Journalist vom MTD Verlag gratulierte uns zu der gelungenen Tagung. "Es war sehr interessant, die Zuhörer waren sehr angetan“ so sein Feedback aus dem Kreis der Gäste. Warten wir die Berichterstattung über die 32. Bundesfachtagung in den MTD-Veröffentlichungen ab.

Während dieser Tagung des Berufsverbandes präsentierte sich femak e.V. in einem neuen Design. Das neue Layout wurde mit dem claim "Wissen vernetzt" verbunden. Was hinter dem neuen Erscheinungsbild steht, wird in den nächsten Wochen und Monaten veröffentlicht. In den Arbeitskreisen arbeitet man intensiv daran.

Nachdem die beiden Bundesvorsitzenden Harald Bender und Norbert Ruch die Gäste begrüßt hatten, übernahm Wilhelm Brücker, der auch die Geschäftsstelle der femak leitet, die Moderation.


00 H Bende 00 N Ruch 00 W Brcker

Dr. Josef Düllings, Vorsitzender des Verbandes der Krankenhausdirektoren, sprach zur Finanzierung der Krankenhäuser und die damit verbundenen Herausforderungen für Einkauf und Logistik. Die Krankenhäuser in Deutschland stehen unter einem immensen finanziellen Druck. Über 50% der Krankenhäuser befinden sich in einer kritischen wirtschaftlichen Lage. Vor diesem Hintergrund sind die Bestrebungen zu sehen, Prozesse zu optimieren und Kosten ohne Qualitätsverluste zu senken, aber auch Verschwendung zu vermeiden und sogenannte Innovationen, die eigentlich überflüssig sind, als solche zu erkennen. Die Digitalisierung der Prozesse ist noch lange nicht abgeschlossen und muss weiter forciert werden. Im Bereich der IT können noch viele Potenziale genutzt werden.

Die Rolle des Einkäufers (Krankenhaus/Verbund)
- Spannungsverhältnis zwischen Medizin/Ökonomie nimmt zu (die richtigen Einkaufsverbünde)
- Stärkere Priorisierung von Qualität und Sicherheit
- Mehr methodische Transparenz bei Einkaufsentscheidungen
- Mehr Kommunikation und Vernetzung mit Ärzten und der Medizinprodukte-Industrie

Zukunftstrend Digitalisierung
- ca. 80% der Krankenhäuser in Deutschland: keine digitale Patientenakte (aber 80% der Bevölkerung nutzen Internet)
- USA: Krankenhäuser mit EHR (electronic health record) von 9% in 2008 auf 80% in 2013
- großes Rationalisierungspotenzial durch Unterstützung klinischer Prozesse
- VKD unterstützt seit 2008 die Entscheiderfabrik
- Plattform für GF, IT-Leiter und IT-Industrie

01 Dr J Dllings

Kommentiert

Ende letzten Jahres tagte der Bundesausschuss in Berlin. Gröhe unterstrich damals: Das Vereinbarte kann sich gut sehen lassen. Im politischen Berlin machte sich dennoch Ratlosigkeit breit: Mit dem neuen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte hier niemand gerechnet, schließlich ist er gesundheitspolitisch ein unbeschriebenes Blatt. Gröhe war eine Überraschung, zumindest in den gesundheitspolitischen Fachkreisen dürfte er wohl nicht zu den denkbaren Kandidaten gezählt haben.

Was, Herr Gröhe, hat sich Monate nach der Bundestagswahl, jetzt mit Blick auf die geplante Krankenhausreform getan? Es bleibt nach wie vor abzuwarten, wie sich die Gesundheitspolitik in Deutschland entwickeln wird. Unser Berufsverband femak e.V. wird die Entwicklung verfolgen und sich damit kritisch auseinandersetzen.

Andreas Iffland und Martin Merkel stellten die Frage: "Sind Veränderungen im Krankenhaus-Einkauf möglich?" mit Sicht auf gestern, heute und die Zukunft. An einem Beispiel wurden die Ausgangssituation und der gegenwärtige Zustand dargestellt. Schwerpunkte waren die Bündelung von Warengruppen, Rahmenverträge und Einkaufscontrolling Konzentration auf Warengruppen und nicht auf Einzelpositionen. Mit Blick auf die Zukunft fehlt es oft noch an der Qualifizierung von Fachkräften im Einkauf. Mehr und mehr sollte der Focus auch auf die Gesundheitsökonomie/Controlling gelegt werden.

02 A Iffland  02 M Merkel

Peter Rode sprach über die "Umsetzung der Medizintechnik-Betreiberverordnung im Beschaffungsprozess". Beratungs- und Tätigkeitsschwerpunkte sind hier die

- Analyse der Medizintechnik im Krankenhaus, Abbau überschüssiger Medizintechnik mit schlechter Auslastung
- Optimierung und Transparenz der Medizintechnik und der Betreuung
- Einführung eines technischen Controllings im Krankenhaus
- Beschaffungsunterstützung (strategische Geräteplanung, Nutzungsbestimmungen, LV-Erstellung, Vergabebetreuung)

Die Krankenhäuser haben sich in den letzten Jahren stark verändert: Die Investitionskosten in die Medizintechnik sind angestiegen, somit auch die Installations- und Wartungsaufwendungen, eine geänderte Rechtslage, die Krankenhausfinanzierung durch DRGs und Baupauschalen, einhergehend mit einem Investitionsstau in Milliardenhöhe, zu hohe Sachkosten bezogen auf die Einnahmen aus den DRG´s. Etwa 50% der Krankenhäuser haben negative Betriebsergebnisse. Es gibt keinen geschlossenen Prozess zwischen: Bedarfsregelung – Beschaffung - Bewirtschaftung – Investitions-Controlling.


03 P Rode

Seit Jahren nicht wegzudenken, der Innovationsmarkt. Auch in diesem Jahr nutzten wieder viele Aussteller der Industrie die Möglichkeit, ihre neuen Entwicklungen und Weiterentwicklungen den Teilnehmern der Bundesfachtagung zu präsentieren.


Ein Highlight dieser 32. Bundesfachtagung war der Vortrag des Handballbundesligatrainers MT Melsungen, Michael Roth: "Nicht nur im Sport - Erfolgsfaktor Motivation". Teamarbeit als Basis für den Erfolg, Strategien, Ziele und Kommunikation miteinander sind genau so wichtig, wie Organisation, Disziplin, Kontrollen und Flexibilität, um zum Erfolg zu gelangen. Parallelen zum Krankenhauseinkauf sind schnell erkennbar gewesen. Die Möglichkeit der Fragestellung an Michael Roth wurde ausgiebig in Anspruch genommen.

04 Mi Roth

 

"… und dann frag ich doch mal unseren Krankenhaushygieniker" Timm Böcker ging auf spezielle Themen des Krankenhausalltages ein. Es wurden Schwachstellen medizinischer Geräte dargelegt, die damit einhergehenden Probleme (Keime, Bakterien MRSA usw.) und er gab Anregungen, worauf der Krankenhauseinkäufer sein Augenmerk richten muss.

Bei der Beschaffung sollten auf

- Reinigung
- Desinfektion/Sterilisation
- Vermeidung unzugänglicher Stellen
- und hygienische Unbedenklichkeit geachtet werden.

Mit sehr viel Aufmerksamkeit muss man sich in einem Krankenhaus dem Schutz des Patienten, dem Personal und auch dem Besucher widmen. Hier abschließend kommentiert, begann Timm Böcker seinen Vortrag mit den Worten: "Frau M. musste sterben, weil eins zum anderen kam." Nicht umsonst ist im Krankenhaus die Hygiene "Chefsache".

05 T Brcker

Kommentiert

900.000 Patienten infizieren sich jedes Jahr in deutschen Krankenhäusern mit sogenannten multiresistenten Keimen. Von diesen versterben jährlich mindestens bis zu 30.000 Patienten. Den Angehörigen wird als Todesursache Organversagen erklärt. Das berichtete eine Krankenschwester in einem Interview, die anonym bleiben und nicht genannt werden wollte. Das sind aktuelle Zahlen, veröffentlicht von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene am 28. März 2014 in Berlin. Alles ist zurückzuführen auf mangelhafte Hygiene, Übertragung durch direkten Kontakt und eine mangelhafte Desinfektion der Hände. Betroffen sind vor allem alte und schwache oder ganz junge Patienten. Dass es anders geht, zeigt das Beispiel der Niederlande. Dort wird jeder Patient individuell auf multiresistente Keime geprüft, liegt eine Infektion vor, bleibt der Patient erst mal in Quarantäne. Das ist in Deutschland zurzeit nicht denkbar. Durch den Personalabbau bleibt wenig Zeit, um Schutzkleidung anzulegen, bei jedem Verbandswechsel neue Handschuhe zu tragen und jeden Raum wirklich gründlich zu reinigen. Entnommen einem Bericht von RTL, gesendet am 28.03.2014.

Dagmar Jehle, Pflegewirtin des Städtischen Krankenhauses München gGmbH betrachtete den "Einkauf für XXL-Patienten". Zahlen, die für sich sprechen:

- Jeder 5. Bundesbürger ist adipös: 20% der Männer und 21,1% der Frauen haben einen BMI >= 30
- 4,4% der Männer und 6,9% der Frauen haben einen BMI von >=35
- 1,1% der Männer und 2,0% der Frauen haben einen BMI von >= 40
- 1,02 Mio. Männer und Frauen >18 Jahre sind in Deutschland morbid adipös (BMI >= 40)

Die Morbide Adipositas (BMI >40) hat innerhalb von 10 Jahren um 74% zugenommen. Es gibt bei XXL-Patienten eine erkennbare Struktur. Daher wurde eine Studie erarbeitet, die auch den Einkauf und Logistik einschließt. Studie: "- Standardisierung im Rahmen adipöser Patienten -". Die Krankenhäuser stehen damit vor neuen Herausforderungen:

- bauliche Ausstattung, wie extrabreite Türrahmen, Patientenlifter/Deckenlifter, Toiletten (- stuhl) mit hoher Traglast,
  (Warte-)Stühle und Krankenliege (Traglast)
- Hilfsmittel, wie Gehwagen, Rollstuhl, Unterarmgehstützen, Blutdruckmanschetten, Waagen,  Nachthemden und Unterwäsche in Spezialgröße
- Medizinprodukte wie Kanülen und Spritzen
- Pflege, Körperpflege, Lagerungsmaßnahmen, Zugänge erschwert, 2. Nachtwache, körperliche Belastung
- Medizintechnik, wie Durchmesser CT oder MRT und
- Kosten, hier gibt es eine große Preisspanne bei den "XXL-Produkten" Beispiel: Betten ab 350kg von 2.500€ bis zu 11.500€.

Da das Problem des XXL-Patienten Bestand haben wird, sollte in Folgevorträgen dieser Problematik weiterhin große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Krankenhäuser sollten sich immer mehr auf XXL-Patienten einstellen, die Industrie in Deutschland ist auf viele dieser XXL-Produkte noch gar nicht vorbereitet.

06 D Jele

Michael Langenberger, Wirtschaftsmediation & Coaching, sprach zum Thema: "Kooperationen zum gegenseitigen Nutzen erfolgreich etablieren". Die jeweiligen Partner sollten rechtzeitig einbezogen werden, um Verträge zu erarbeiten. Gemeinsamkeiten müssen gefunden werden und jeder sollte in einem Pool alle Ideen, Gedanken und Vorstellungen sammeln. So entsteht ein Fundus, auf den man immer wieder zurückgreifen kann. Keine kurzfristige, sondern eine langfristige Planung muss angestrebt werden. Anwälte müssen mit hinzugezogen werden.

07 M Langenberger

In einer Podiumsdiskussion stellten sich unter der Moderation von Wilhelm Brücker Gesundheitsökonomen, Einkäufer und Wirtschaftsmediation & Coaching den aktuellen Problemen der Gesundheitspolitik.

- Der Einkauf gehört in den Bereich der Geschäftsführung, die Industrie macht es bereits vor.
- Auch die Logistik im Krankenhaus die ein wichtiges Aufgabengebiet ist, gehört in geschulte  und erfahrene Hände.
- Spezialwissen für den Einkauf medizinischer Produkte ist eine Voraussetzung für den erfolgreichen Einkäufer.

08 Expertengesprch

Fazit

Diese 32. Bundesfachtagung zeigte wieder Lösungsansätze um den sich ständig ändernden Bedingungen im ökonomischen System der Krankenhäuser gerecht zu werden. Den gesamten Bereich des Einkaufs zu controllen wird immer wichtiger, um die eigenen Strategien den neuen Trends rechtzeitig anpassen zu können.

Der "Fachverband für Einkäufer, Materialwirtschaftler und Logistiker im Krankenhaus e. V." wird diese Entwicklungen verfolgen. In Regionaltagungen und auf unserem Symposium dieses Jahres werden ähnlich gelagerte Themen behandelt.

Beachten Sie dabei bitte die Vorankündigungen im Newsletter 02/2014 und unsere Hinweise auf der Homepage. Wir freuen uns, Sie auch 2015 im März zur 33. Bundesfachtagung begrüßen zu dürfen.

Für alle interessierten Mitglieder werden die Vorträge demnächst im internen Bereich der Homepage zum Download bereitstehen. Alle anderen Teilnehmer oder interessierte Mitarbeiter aus den Krankenhäusern wenden sich an die Geschäftsstelle der femak mit einer Mail-Anfrage:

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www.femak.de

Einen herzlichen Dank an alle, die zum guten Gelingen der 32. Bundesfachtagung beigetragen hatten.

Jürgen Geißler
Öffentlichkeitsarbeit femak