XXL-Patienten in Deutschland

Geschrieben von femak e. V..

Der XXL-Patient ist nach wie vor aktuell

In Deutschland gibt es bereits 28 zertifizierte Adipositas-Zentren, die sich auf den adipösen Patienten eingestellt haben. Weitere werden folgen, denn die Zahl der Übergewichtigen steigt. Krankenhäuser müssen umrüsten. Schwerlastbetten, tragfähige Toiletten, breitere Türen, größere OP-Schleusen, um nur ein paar Beispiele aufzuzeigen. Aber auch diagnostische Geräte sind betroffen. Ultraschallgeräte durchdringen das Gewebe Fettleibiger nicht mehr tief genug. Adipöse passen nicht mehr in den Computer- und Kernspintomographen. Ärzte und Schwestern ächzen bei dicken Patienten, während chirurgischen Eingriffen am Bauch zu einer Tortur werden, weil literweise das Körperfett die Organe umwabert.

Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass 47 Prozent der Frauen (2010 44 Prozent) und 65 Prozent der Männer (2010 62 Prozent) 2030 an Übergewichtsproblemen leiden werden. Das betrifft fast jeden vierten Mann und etwas mehr als jede fünfte Frau.

Ist der Einkäufer im Krankenhaus darauf eingerichtet?

Die Geschäftsleitung muss sich darauf einstellen. Die jährlichen Budget-Verhandlungen mit den Kassen gewinnen hier mehr an Bedeutung, denn die aufwändigere Versorgung von Adipositas-Patinenten ist für die Krankenhäuser ein Defizit-Geschäft. In einem Mindestkatalog sollte die Standardisierung mit einer Produktauflistung im Mittelpunkt stehen.

Auch femak widmete sich in letzter Zeit dieser Problematik und wird es in weiteren Veranstaltungen nicht vernachlässigen.

„Einkauf für XXL Patienten“

femak hatte dieses Thema ausführlich zur 32. Bundesfachtagung in Rotenburg a. d. Fulda im März 2014 im Programm. Dagmar Jehle, Pflegewirtin des Städtischen Krankenhauses München gGmbH, betrachtete den "Einkauf für XXL-Patienten".

Dagmar Jele       Maband

Zahlen, die für sich sprechen:

- Jeder 5. Bundesbürger ist adipös: 20% der Männer und 21,1% der Frauen haben einen BMI >= 30
- 4,4% der Männer und 6,9% der Frauen haben einen BMI von >=35
- 1,1% der Männer und 2,0% der Frauen haben einen BMI von >= 40
1,02 Mio. Männer und Frauen >18 Jahre sind in Deutschland morbid adipös (BMI >= 40)

Die morbide Adipositas (BMI >40) hat innerhalb von 10 Jahren um 74% zugenommen. Es gibt bei XXL-Patienten eine erkennbare Struktur. Daher wurde eine Studie erarbeitet, die auch den Einkauf und Logistik einschließt. Studie: "- Standardisierung im Rahmen adipöser Patienten -". Die Krankenhäuser stehen damit vor neuen Herausforderungen:

bauliche Ausstattung, wie extrabreite Türrahmen, Patientenlifter/Deckenlifter, Toiletten (-stuhl) mit hoher Traglast, (Warte-)
  Stühle und Krankenliege (Traglast)
- Hilfsmittel, wie Gehwagen, Rollstuhl, Unterarmgehstützen, Blutdruckmanschetten, Waagen, Nachthemden
  und Unterwäsche in Spezialgröße
- Medizinprodukte wie Kanülen und Spritzen
- Pflege, Körperpflege, Lagerungsmaßnahmen, Zugänge erschwert, 2. Nachtwache, körperliche Belastung
- Medizintechnik, wie Durchmesser CT oder MRT und
- Kosten, hier gibt es eine große Preisspanne bei den "XXL-Produkten" Beispiel: Betten ab 350kg von
  2.500€ bis zu 11.500€.

Da das Problem des XXL-Patienten Bestand haben wird, sollte dieser Problematik weiterhin große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Krankenhäuser sollten sich immer mehr auf XXL-Patienten einstellen, die Industrie in Deutschland ist auf viele dieser XXL-Produkte noch gar nicht vorbereitet.

Dagmar Jehle betrachtete in ihrem Vortrag nachfolgende Schwerpunkte ausführlich.

1. Adipositasentwicklung in Deutschland
2. Auswirkung der Adipositasprobleme im Krankenhaus
3. Standardisierungsprojekte der GDEKK
4. Beschaffungsprozess – Schnittstellenmanagement Einkauf/ Logistik

In der Ausgabe MTD (Madizin-Technischer Dialog) 07 14 Juli (ab Seite 64) lesen Sie noch einmal nach. Dort erläutert Dagmar Jele die Schritte zur Adipositas-Versorgung mit standardisierten Produkten.

Unterstützend zu diesem Beitrag stellen wir Ihnen den Vortrag, gehalten auf der 32. femak Bundesfachtagung im März 2014
 XXL Patienten (PDF)  zum Download bereit.

Es tangiert und interessiert schließlich alle!

Jürgen Geißler
femak-Öffentlichkeitsarbeit