Review - femak aktuell 2018 - Marktredwitz - Der Klinikeinkauf im Wandel

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femak hatte zur Einkäufertagung „Der Klinikeinkauf 2018 im Wandel“ nach Marktredwitz eingeladen. Die Veranstaltung fand im Klinikum Fichtelgebirge und bei der Firma CeramTec in Marktredwitz (Bayern) statt.

Der Geschäftsführer des Klinikums und femak-Bundesvorsitzende Harald Bender begrüßten die Teilnehmer der ausgebuchten Tagung und übergaben die Leitung der Regionalveranstaltung an Robert Günthner, Organisator und Moderator.

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Im ersten Vortrag „Die digitale Rechnungsverarbeitung – Pflicht ab 2020“ führte Herr Wolfgang Swonke, Geschäftsführer der Firma Aequitixx auf die Möglichkeiten der elektronischen Rechnungsbearbeitung ein. Laut e-Rechnungsgesetz vom 4. April 2017 sind alle öffentlichen Auftraggeber und deren Lieferanten verpflichtet, ab 2020 strukturierte elektronische Rechnungen entgegenzunehmen und gesetzeskonform zu archivieren.
Rechnungen werden entweder elektronisch vom Lieferanten geliefert oder im PDF-Format gescannt (einfacher Scanvorgang). Eine effiziente Rechnungsbearbeitung und vollständige Transparenz ermöglicht eine spezielle Software, die bereits in der Praxis in Programm von SAP, Agfa oder Amor umgesetzt wurde.
Mit der digitalen Rechnungsverarbeitung gelangt Transparenz in den gesamten Krankenhauseinkauf, wodurch auch der Sachmitteleinkauf auswertbar wird. Alle abgerechneten Produkte und Dienstleistungen – auch jene ohne angelegte Stammdatensätze im Materialwirtschaftssystem – können analysiert und deren Beschaffungsentscheidungen effizient gesteuert werden. So können Rechnungen nicht nur effizienter und schneller bearbeitet werden, sondern es können sich auch Einsparungen für bisher nicht berücksichtigte Einkaufsvolumen ergeben.

Im 2. Vortrag referierte Herr Dr. Thomas Mösinger, Fachanwalt für Vergaberecht, Firma MBK Legal Frankfurt/Bamberg, zum Thema „Vergabe aktuell: Grundlagen und Gesetzesvorgaben“ – was muss der Einkäufer im Krankenhaus auf jeden Fall beachten?
Die neue Vergabeverordnung im Bereich der Unterschwellenvergabe (UvGO) und Oberschwellenvergabe (VgV) bringt eine deutliche Veränderung mit sich.
Aufträge bei Liefer,- und Dienstleistungen, die einen Gesamtbetrag von 221.000 € (netto) überschreiten, müssen europaweit ausgeschrieben werden. (Bauleistungen ab 5.548.000 €). Die UvGo – Unterschwellenvergabeverordnung muss unterhalb der Schwellenwerte der EU – ebenfalls umgesetzt werden. Hier gibt es länderspezifisch unterschiedliche Ansätze, in Bayern ab 50.000 €.

Während einer regen Diskussion mit den Teilnehmern und sehr praxisnahen Beispielen ist deutlich geworden, wie wichtig die Beachtung der Vergaberichtlinie ist. Im Besonderen ist die erschöpfende Erstellung eines Leistungsverzeichnisses hervorgehoben worden.
Fehler bei der Schätzung des Auftragswertes oder eine nicht genaue Beschreibung führen in der Praxis am häufigsten zu Rügen und Strafverfahren.
Zu allem Übel muss auch die elektronische Vergabepflicht ab dem 19.10.2018 umgesetzt werden. Die gesamte Kommunikation zwischen Auftraggeber und Lieferanten im EU-weiten Vergabeverfahren - von der Bekanntmachung bis zur Zuschlagserteilung – erfolgt dann in elektronischer Form.
Bei nicht ordnungsgemäßen Ausschreibungen drohen enorme Strafzahlungen, zusätzlicher Aufwand bzw. zusätzliche Zeitverzögerungen und auch Rückforderung von Fördergeldern. Herr Dr. Mösinger regt daher an, eine interne Vergabestelle zu schaffen, sinnvoller Weise angesiedelt am/im Einkauf. Durch die äußerst komplexen Vorgaben wäre dies unvermeidbar, juristische Beratung ebenfalls mehr als sinnvoll.

Nach kurzer Mittagspause wurden die Fachteilnehmer per Shuttlebus zur Betriebsbesichtigung der Firma CeramTec geführt.

Die Fa. CeramTec entwickelt und fertigt Produkte für fast jeden Lebens-, Arbeits- und Technologiebereich aus einem der faszinierendsten Werkstoffe unserer Zeit: der Hochleistungskeramik. Die Anwendungen erstrecken sich von keramischen Komponenten für künstliche Hüftgelenke über Dicht- und Regelschreiben in Sanitärarmaturen, Schneidplatten zur Metallbearbeitung, Träger für elektronische Schaltungen, Geräte- u. Maschinenelemente, Sicherungsbauteile usw. Mit 450 Mio. € Umsatz und weltweit mehr als 3.600 Mitarbeitern ist CeramTec ein weltweit führender Hersteller von Hochleistungskeramik. Der Schwerpunkt der Betriebsbesichtigung lag auf der Medizintechnik und der Herstellung von keramischen Teilen für die künstlichen Hüftgelenke namhafter Hersteller. Alle Besucher waren erstaunt, wie aufwändig die Herstellung von Hochleistungskeramik ist.
Resümee: Ein zwar anstrengender, aber überaus informativer und interessanter femak-Tag! Die Vorträge der beiden Referenten werden allen Teilnehmer gerne auf Anfrage zur Verfügung gestellt.

femak-Bundesvorsitzender Harald Bender verabschiedete die Teilnehmer und wünschte allen eine gute Heimfahrt.

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Robert Guenthner